PS: Literatur Tipp #3 Irvin D. Yalom – “Und Nietsche weinte”

Wer ist Irvin D. Yalom

Irvin D. Yalom (*1931) ist eine US-amerikanischer Psychiater, Psychotherapeut und einer der prägendsten Vertreter der existentiellen Psychotherapie. Er ist emeritierter Professor für Psychiatrie an der Universität Stanford und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Bücher. Seine Werke über die existenzielle Psychotherapie und die Gruppentherapie gelten als Klassiker. Berühmt wurde er nicht nur durch seine fachliche Arbeit, sondern vor allem durch seine Fähigkeit, Psychologie erzählerisch zugänglich zu machen. Seine Bücher bewegen sich zwischen Fachliteratur und Roman – immer nah am Menschen, immer mit Tiefgang.

Was Yalom auszeichnet, ist seine Ehrlichkeit. Er zeigt nicht nur die Klient:innen, sondern auch sich selbst zweifelnd, reflektierend, menschlich. Er beschreibt Therapie nicht als perfekten Prozess vielmehr vermittelt er eine Haltung. Meine Empfehlung für alle, die Beratung lieben – und Denken.

Gerade für Coaches und psychologische Berater:innen (LSB) ist dies wertvoll, weil Yalom Haltung vermittelt statt Methoden. Seine Bücher laden dazu ein, die eigene Rolle zu reflektieren: Wo verstecke ich mich hinter Professionalität? Und wo darf ich Mensch sein?

Yalom schreibt nicht belehrend, sondern neugierig machend. Er ist ein Meister des Blicks auf Veränderung, die wie er beschreibt durch Präsenz und die Bereitschaft, das Unaussprechliche anzusprechen entsteht.

Yalom lesen – aber womit anfangen?

Ich bin zum Fan von Yaloms Büchern geworden. “Und Nietzsche weinte” war für mich der perfekte Einstieg.

Er beschreibt in diesem Roman eine Beziehung von Figuren, die sich im wirklichen Leben nie getroffen haben. Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Lou Salomé und Josef Breuer sind diese Protagonisten. Ein philosophischer Roman über Sinn, Verantwortung, Freiheit und Beziehung. Leicht zu lesen, tief in der Wirkung. Ideal, um Yaloms Denken kennenzulernen, ohne gleich „fachlich“ einzusteigen.

Für alle, die sich auch gerne auf Philosophisches einlassen wollen oder genauer gesagt auf die Welt Schopenhauers, empfehle ich “Die Schopenhauer-Kur”. Hier trifft Therapie auf Philosophie.

Dieser Roman erzählt mit Spannung über eine regelmäßig stattfindende Therapierunde, bestehend aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, die schonungslos und offen miteinander umgehen, um sich und den anderen zu helfen. Geleitet werden diese Ruden von einem totkranken und stark an sich und seiner Wirksamkeit zweifelnden Psychanalitiker. Parallel dazu wird die Lebensgeschichte Arthur Schopenhauers erzählt, dessen Denkmodelle sich mehr und mehr mit der Thearpiegruppe verweben. Es geht um Arroganz, Widerstand, emotionale Defizite und frauenfeindliches Verhalten. Ein Buch, das schrittweise zu lesen ist.

Yaloms Bücher begleiten, fordern heraus und bleiben im Kopf. Wer mit Menschen arbeitet, findet bei ihm weniger Antworten als gute Fragen. Und manchmal das genau das, was wir brauchen.

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Hallo, ich bin Brigitte Kosits

Ich bin diplomierte Lebensberaterin, Coach und Supervisorin. Seit knapp 20 Jahren berate und coache ich Menschen in beruflichen und persönlichen Anliegen.

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